Rosenrot

“Ich blute”, sagte das Mädchen vor dem Schwimmbad zu dem Besucher, der gerade mit dem Rad ankam. “Was soll ich denn jetzt machen? Hast du ein Taschentuch?” Ihre Freundin kicherte.

“Ich habe kein Taschentuch”, sagte der Radfahrer, ohne seine Kopfhörer aus den Ohren zu nehmen. “Du wirst dir jemand anderen suchen müssen.” Seelenruhig sperrte er sein Rad ab.

Nun sah ich, dass das Mädchen wirklich stark am linken Arm blutete. Ich rief ihr zu, dass sie herkommen solle, und entfaltete sofort mein Stofftaschentuch, um eine Binde zu formen. “Keine Angst, es ist sauber. Was hast du denn gemacht?”, fragte ich sie, die ungläubig auf das für sie ungewohnt große Taschentuch starrte. Wahrscheinlich kannte sie nur Tempos.

“Mich geritzt”, sagte sie lapidar, und für einen Moment zögerte ich: “Und dafür soll ich mein Taschentuch besudeln?”, entfuhr es mir zornig, während ich gleichzeitig Anstalten machte, die Binde auf die Wunde zu legen.

“Nur Kunstblut! Ist doch nicht echt.”, rief sie plötzlich. “Sieht es echt aus?”

“Das Taschentuch sieht aus wie so ein Bettlaken”, ergänzte die andere.

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