Geradezu schockierend ist die Aktualität, wenn Nietzsche über die Bedingungen und Nöte des nachmetaphysischen Zeitalters schreibt. Also über den Triumph der exakten Wissenschaft, des Denkens von Dynamik über das Substanzdenken, das Problem der Motivation ohne das spezifische Zeitgefühl metaphysischer Weltbilder (Problem der Ewigkeit). Unweigerlich stellt sich hier die Frage, ob das für Nietzsches Hellsichtigkeit sprich oder lediglich beweist, dass er der erste ist, der die immer gleiche Befindlichkeitskritik der Nachmoderne formuliert hat, ohne dass hierzu jemals von irgendwem etwas Substanzielles wäre beigetragen worden. Man vergleich hier willkürlich Spengler und Houellebecq.
Am wahrscheinlichsten ist, dass wir im seitdem immer wieder beschworenen Ablösungsprozess des okzidentalen Bewusstseins trotz aller technischen Spielereien und politischen Katastrophen immer noch nicht weiter sind als vor 130 Jahren.
“Ein ganz moderner Mensch, der sich zum Beispiel ein Haus bauen will, hat dabei ein Gefühl, als ob er bei lebendigem Leibe sich in ein Mausoleum vermauern wollte.” (“Menschliches, Allzumenschliches”)