Auf eigentümliche Weise passt “Tristan und Isolde” in das neobarocke Innere der Prager Staatsoper. Die Inszenierung Marcelo Lombarderos versucht einen Spagat zwischen statischer Nichtinszenierung und atmosphärischer Bebilderung; das Ergebnis wirkt verstaubt und so, als wäre es schon seit Jahren auf dem Spielplan oder als hätte Appia bereits mit Videoprojektionen gearbeitet. Dieser verstaubte Charakter verstärkt aber die Intimität des Stückes auf interessante Weise. Dass “Tristan und Isolde” eigentlich ein Kammerstück ist, wird so greifbar, trotz des satt schwelgenden Orchesters. Es entsteht in dem nicht übermäßig großen Zuschauerraum der Staatoper mit seiner etwas übermäßigen Stuckatierung und Plüschigkeit ein Innenraum, der das Werk auf eine Intimität herunterbricht, die es vor der immer drohenden Überschwere bewahrt. Das ist im Endergebnis auch kein ganz großes Theater, aber sehr gutes kompaktes. Ich war jedenfalls selten unerschöpfter nach einer Wagner-Oper. Die obligatorischen Busladungen amerikanischer Schüler, reisender Holländer und blitzender Chinesen waren indes nach dem zweiten Akt geflüchtet.
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