Während das Pendel in Deutschland am Sonntag zwischen der Lena-Hysterie vom Samstag und dem Köhler-Rücktritt am Montag einen Moment an seiner Ruheposition verharrte (sieht man einmal vom Hannoveraner Opernplatz ab), fiel ich aus der Zeit und konnte in Prag im Rahmen des “Prager Frühlings” Pierre Boulez und seinem Ensemble intercontemporain zusehen und -hören. Diese Art des Musizierens ist so unfassbar weit von der Bumsfidelität in Oslo und anderswo entfernt, dass man wirklich an die Frage gerät, wer hier eigentlich in welchem Paralleluniversum unterwegs ist. Delikatesse und Präzision sind in Boulez’ Dirigat so sicher gesetzt, dass man sich bei dem Minimum an Aufgeregtheit und Maximum an Expressivität an einen alten Kung Fu-Meister erinnert fühlt oder einen geduldigen Vogel auf Nahrungssuche. Ich bereue es jetzt umso mehr, vor sechs Jahren keine Gelegenheit gehabt zu haben, den “Parsifal” unter ihm zu sehen.
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