Botho Strauß: Vom Aufenthalt

In die Unheimlichkeit eines unvertrauten Zwiegesprächs eintauchend, hinterlässt Strauß’ neues Buch ein Gefühl wie der Blick in einen alten, stumpfen Spiegel. Wenn man sich als Schatten in den Aufzeichnungen eines alten Mannes wiederfindet, ist man dann noch zu früh oder schon zu spät? Jedenfalls unzeitgemäß. Nie habe ich so lange gebraucht und so widerwillig zögernd ein Buch dieses Autors zu Ende gelesen.

Es ist also unmöglich, sich das eigene Bewußtsein zu vergegenwärtigen. Oder wie der Philosoph es faßt: weil des Menschen Vernunft ein Faktum ist, kann sie nicht auch Anschauung ihrer selbst sein. Mit nochmals anderen Worten: Das Subjekt, wo es am reinsten Subjekt ist, bleibt sich völlig unzugänglich. (Botho Strauß: Vom Aufenthalt. München: Hanser 2009, S. 239)

Es mag wie Hybris klingen, aber vielleicht habe ich mich damals selbst zu weit hinausgewagt und hätte den anderen nie wissen lassen dürfen, was ich in seiner Spur gelesen habe. Alles Quatsch, ‘seine’ Spur ist schließlich kein Privateigentum, sondern das Alleröffentlichste, gerade wenn sie sich im Winkel verbirgt. Dafür kann ja der Jäger nichts, wenn sich ihm das Wild auf seine Fährte setzt.

Dieser Beitrag wurde unter Lektüren, Spuren, Unglückliches Bewusstsein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort schreiben

Your email address will not be published. Required fields are marked *