Fingerübung

Ludovico las weiter aus den knisternden Papieren vor, zunehmend nervöser werdend, so dass sogar mir die Finger anfingen, klamm zu werden.

“Vielleicht macht die Maschine die literarische Produktion auch wieder ehrlicher, in jedem Fall aber humaner, weil sie sie vom Fluch der humanistischen Hybris befreit. Denn die lateinischen Buchstaben, derer wir uns zu bedienen pflegen, nehmen keinerlei Rücksicht auf die Bedingtheiten der menschlichen Physiognomie und manuellen Beweglichkeit der Hand. Das phonetische Alphabet ist zur Kultivierung einer Schreiblust gänzlich ungeeignet, die Kalligraphie einer westlichen Handschrift lediglich eine völlig bedeutungslose und lediglich übergestülpte Schnörkelgeilheit, die im schlimmsten Fall auf ernsthafte psychische Probleme rückschließen lässt. Wozu lässt sich eine Hand nicht alles gebrauchen: ein Zupfinstrument spielen, Erbsen enthülsen, einen Fuß streicheln, einen Faustkeil gebrauchen, – aber einen Stift führen? Hingegen macht das virtuose Bedienen einer Tastatur feingliedrige und geschmeidige muskulöse Finger, wie die von Musikern.”

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