Sonnenbad

Nie ist der Mensch egoistischer, als wenn er als Pärchen auftritt.

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Samthandschuh

Mit der Anthroposophie verhält es sich wie mit der Wagnerei. Es gibt Wagnerianer und solche, die mit Wagner arbeiten: aber nur jene bestimmen das Bild nach außen – und stoßen ab.

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ABC

Mitteleuropa ist: In der U-Bahn ein junges Pärchen zu beobachten, das einander gegenüber sitzt. Neben dem Mädchen ist noch ein Platz frei. Dorthin setzt sich, nachdem er an der nächsten Station zugestiegen ist, ein mittelalter Mann in einer schwarzen Lederjacke, die er bloß über den Schultern trägt. In der Hand ein Wurstbrötchen. Der Ärmel der Jacke fällt dabei dem Mädchen genau in den Schoß. Niemanden, weder ihren Freund, noch sie selbst, noch den Wurststullenesser, scheint das zu stören, und so verharrt der Ärmel dort, bis ich aussteige.

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Semper fidelis

Pas d’amour, mais encore de la musique.

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ZwischenZeiten 3

so, als näherte man sich auf diesem steinigen Wege einem, der die Zeit dachte, ohne dass es für ihn jemals zweifelhaft gewesen ist – zu keinem Zeitpunkt, der sich aus seiner Arbeit herauslesen ließe –, wo die Zeit bleibt. Nämlich in mir selbst tief drinnen, pyramidal aufgetürmt, während mein Geist auf der Spitze von oben herab, wenn er es erst dorthin, aber das geschieht ohnehin zwangsläufig, geschafft hat, das Ganze überblicken kann. Dann gäbe es, am Ende der Zeit, keine Zeit mehr, weil er endlich zur Durchdringung seiner eigenen Zeit gekommen wäre.

Ein zeitlicher Übergang in der Vermittlung, bis die vergehende Zeit überwunden ist. Für oder gegen etwas zu sein, bringt hier nicht viel, was nicht heißt, dass die Grenzen allezeit fließend und die Positionen beliebig sind. Nur, wen will man denn noch vom jeweiligen Gegenteil überzeugen? Man braucht schon genug Zeit (eine unendliche Aufgabe), um all das hier noch einmal zu lesen.

Immer noch nachdenkend auf dem Weg zu mir, da muss man sich schon Zeit nehmen, auch wenn sie rar ist. Ein unbeschriebenes, weißheitsliebendes Blatt Papier, an den Seiten, soweit ich das sehen kann, ausgefranst, anschlussfähig, im Knoten der Zeit – gegenzeitig. Nämlich es beruht auf Gegenzeitigkeit, ‚wie du mir, so ich dir‘. Zeit kann man geben, aber nehmen tut sie sich dann doch immer wer anders. Dass auch ich beschenkt werden kann, heißt nicht, dass ich mir die Zeit nehme (die mir nicht zusteht).

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ZwischenZeiten 2

Er sah in den stumpfen Spiegel, wie immer dienstags und donnerstags, vor dem Colloquium. Triefig die Augen und rotfleckig das verquollene Gesicht, unausgeschlafen. Denkend an damals, wie schön war es, zu dritt durch die Gassen und zwischen den Hügeln spazierend, den Raum FÜR SICH einnehmend, die Zeit FÜR SICH nutzend, jede Sekunde, „brach nicht mit uns die Revolution an, das nächste Jahrhundert?“ (JAJA) Säuerlich aufstoßend und somit den gestern genossenen Wein wieder schmeckend, ekelig vergoren, man müsste mal wieder raus aus der Stadt und die Akademie hinter sich lassen und warum nicht nach langer Zeit zurück an den Neckar? Heute würde er wieder, ohne es zu merken, so stark schwäbeln, dass die jungen Männer im Hörsaal entnervt aufseufzten, den Griffel ablegten und die Fliegen zählten, während die dummen Herren vom Offizierskorps, ohnehin ennuiert, wieder über den Ausländer witzelten.

Sich selbst zu erklären in der Eigenzeit, die Uhr läuft ab jetzt und schon längst. Wo bleibt mir die Zeit, um Zeit für mich selbst zu finden? Zeit, um die eigene Zeit zu erfassen, was noch übrig geblieben, von der notwendigen Zeit, die man braucht, um sich seiner selbst bewusst zu werden, rechtzeitig. Ein Weg, auf dem man immer unterwegs ist, so dass ich sagen müsste, wenn mir etwas bewusst wäre, und nicht erst würde, dass ich gar nicht in der Lage sei, mir dies bewusst machen zu können. Denn dann wäre es ja vorbei, nicht?! Das Hier und Jetzt, das wirklich bleibt, ist das nicht eine treffende Umschreibung für den Tod? Dann also lieber in der Ewigkeit der eigenen Endlichkeit unterwegs sein, auf einem Gang, ich werde ihn bewusst nicht einen ‚Prozess‘ nennen, hier, allein vor dem Spiegel, ein Gang, der niemals geradewegs zum Ziel führt, unzählige Stationen passierend (was aber passiert MIR hier?). Es hat trotz allem und gerade deswegen nicht den Anschein, als gäbe es irgendetwas zu verlieren. Mit anderen Worten: Ist das Gewesene jemals gewesen? Man verwickelt sich hier unmittelbar in scheinbar unvermittelbare Schwierigkeiten (das darf aber nicht sein!), da man nicht wird fragen können, wann die Zeit gewesen sei, sondern wo sie aufgehoben bleibt. Was mindestens voraussetzt oder nach sich zieht, dass die Zeit irgendwo sei und zwar außerhalb der Zeit. Die Zeit hat keine Zeit, aber einen Ort? Aber, wenn die Zeit irgendwo bleibt, wie hat sie dann jemals vergehen können?

Wieder und immer wieder zurückkehrend zur Eigenzeit, ohne zu wissen, wo und wann diese statthat, werde ich feststellen müssen, dass deren Diachronie unvermeidlich und unaufhebbar sei. Ich kann beispielsweise gar nicht so schnell schauen, wie mein eigener (?) Körper altert, das geht wahrhaftig schneller als man denkt. Und schließlich, was ist schon mein Eigentum, an diese Frage rührt man auch, wenn man nach dem Verbleib der Zeit fragt. Wenn man sich dann über Verluste wundert, sollte man bedenken, dass sich die Summe, die im Umlauf ist, nie ändert, was vielleicht die einzige sinnvolle Analogie wäre, die sich zwischen der doppelten Buchführung und dem Verlust oder Gewinn von Zeit bilden ließe – und mir brummt der Schädel.

Dass ich auf meine Denkzeit zurückgeworfen werde, wenn ich über die Zeit und deren Verbleib nachdenke, ist ein Problem, dessen Lösbarkeit nicht abzusehen ist. Es braucht immer die Zeit, die ich haben muss, um zu mir selbst zu kommen und währenddessen passiert viel, alles oder nichts…

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ZwischenZeiten 1

Natürlich, auch ich ging durchs Gebirg (der Zeit), um die Zeit zu vergessen und hinter mir zu lassen. Welche eine Utopie, dieser Nirgendort in meinem Rücken oder vielmehr häufte er sich klammheimlich auf ihm an, jetzt und für alle Zeit trage ich sie, „wie einen Buckel“, die furchterregende, allesfressende, nichtende Zeit. Geh weg, komm wieder! Zeit, Zeit, frisst sich das in mein Hirn, ein -umor (namenlos) und platzt sich – aber frech, oder? – an Stelle meines Gedankenapparates. Nun gut, könnte man meinen, nun gut, eine Maschine ersetzt durch eine andere. Ja, wenn es so einfach wäre. Aber wäre dies alles bloß ein Problem der Mechanik, ich könnte mich ja auch selbstvergessen ins nasse Gras fallen lassen, wo im Schatten der Steine („des geweiheten Gebirges“), Findlinge auch sie, immer noch und wahrscheinlich seit Ewigkeiten (von und zu) der Schnee liegt, wie aus Liebe zur Weißheit, auch wenn er schmutziggrau und eine Plastikflasche, das Etikett unlesbar verblichen, fahlblau in ihm stakt. Angesichts der Wassertröpfchen, die sich in ihrem leeren Bauch unter der Sonne gebildet haben, kann man auch ruhig sagen, dass die Flasche im Schnee bereits vollständig aufgehoben, elementarisch im Klammergriff, wobei Zeit keine Rolle spielt.

Was ein schiefes Bild, ein verkehrter Anfang und zudem noch raubkopiert.

Denn ich ging ja gar nicht durchs Gebirg und ich traf auch niemanden, mit dem ich hätte reden können, kein Gespräch wird hier stattgefunden haben, was wiederum auch nicht heißt, dass ich alleine (gewesen) bin. Es liegen aber überall und ständig Steine im Weg, über die man stolpern kann. Zeitkiesel, ich könnte einige davon auflesen und in meine Tasche stopfen, im Schlendern könnte ich das, ohne stehenzubleiben, gerade so, wie die Kiesel am Wegesrand zu liegen kommen, und dann noch im Gehen die Steine weitersortieren, in meinen Taschen, um das Gleichgewicht zu halten, damit sich nicht „unversehn, und keiner weiß es, wenn?“ eine ungewollte temporäre Akkumulierung bildete, die mich runterzöge.

Denn ich kann ja leider nicht auf dem Kopf gehen, stattdessen schleppt sich mein Nachdenken immer hinter mir her, auf der Flucht und angezogen von der gleichen Zeit, immer zur Unzeit, seit Urzeiten, seit ich mich erinnern kann, also auf der Suche nach… mit nach außen gekehrten Taschen, alles rausgekieselt, Löcher überall, wo die wohl herkommen? Das Nach(t)denken, das ist das fast Unmögliche, nicht wahr, weil man da doch immer hinterher bleibt, hinter der Erinnerung, und jetzt kann man sich eine erste Frage stellen. Sind deine Finger nicht viel schneller beispielsweise, im Galopp auf der Jagd nach dem Gewesenen im Buchstaffellauf (press to), schneller als dein Kopf mit der unsichtbaren Maschine, von der du nicht wirklich weißt, was alles drinnen und ob sie dich nicht vielleicht an der Nase herumführt, gezogen-geschoben, du selbst ABGESCHRIEBEN, außer der Zeit? – bilde dir das nicht ein: du bist mittendrin. Wo bleibt dann die Zeit, verschroben oder – VERSCHOBEN? – Immer da, wo wir nicht sind, also überall. Und JA, hilft dir das vielleicht durch die Nacht, in deinem Wechsel von Ja(hr) zu Ja(hr)? Auch das Jasagen muss man jedes Jahr neu erlernen, denn allzu leicht vergisst man dies. Gib mir noch etwas Zeit, um mich zu erklären. In der Zwischenzeit aber

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Novum Ierusalem

Es begann damals das Zeitalter, in dem die Menschen mehr Angst vor dem Unglauben hatten, als vor dem Aberglauben.

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Betriebsablauf

“Bei der Fahrkartenkontrolle sagen: Bimmel, Bammel, auf Grund einer persönlichen Betriebsstörung verzögert sich das vorzeigen der Fahrkarte um wenige Minuten. Kommt Freitagabends im Flüchtlingstreck super.”

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Während er denkt, wartet sie

und sitzt dann am nächsten Tag ebenso wortlos, aber allein in der Straßenbahn.

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